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Le gotha

Moderator: MoniqueMaRie

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MoniqueMaRie
Germany

Le gotha

Post by MoniqueMaRie »

Das Wort "gotha" begegnete mir gerade in einem Film.

Ich war erstaunt, den Namen einer deutschen Stadt als französisches Wort kennenzulernen.
Le gotha = (leo.org) die Hautevolee, die vornehme Gesellschaft

Also mit rein französischer Erläuterung:
Le gotha = la haute volée

Die Herkunft des Wortes ist hier erklärt: https://fr.m.wiktionary.org/wiki/gotha

Auszug aus diesem Text:
Ellipse de almanach de Gotha, bottin qui fut, entre 1763 et 1944, le guide de référence de la haute noblesse et des familles royales européennes.

Être dans le gotha.

Aha, der "Gotha" war also 'mal ein wichtiges Nachschlagewerk, wenn man was über die europäische Aristokratie wissen wollte.

Native :de: / using :uk: :fr: / learning :cn: :it: / once learnt Image / trying to understand at least a bit :poland:

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Basler Biker
Switzerland

Re: Le gotha

Post by Basler Biker »

Sehr interessant! Und dazu noch eine kleine (...) Ergänzung:

Am Ende des Films The Importance of Being Earnest wird ein ähnliches Buch verwendet – eine humorvolle Anspielung auf die historischen Adelsverzeichnisse wie den Almanach de Gotha oder Debrett’s Peerage. Diese Bücher dienten einst als offizielle Nachschlagewerke, um die adelige Herkunft und den sozialen Status einer Person zu überprüfen.

Die Szene unterstreicht auf satirische Weise die Besessenheit der Gesellschaft von Titeln und Abstammung, während gleichzeitig die Absurdität dieser strengen sozialen Regeln humorvoll bloßgestellt wird.


Das "Gotha" und die Adelsverzeichnisse – Im Kontext von The Importance of Being Earnest

📖 Einleitung
In Oscar Wildes berühmter Komödie "The Importance of Being Earnest" (deutsch: "Ernst sein ist alles") spielt das Thema gesellschaftlicher Status und adelige Herkunft eine zentrale Rolle. Besonders gegen Ende des Films gibt es eine humorvolle, aber bedeutungsvolle Szene, in der Lady Bracknell ein Buch aus der Bibliothek nimmt, um die adelige Abstammung des männlichen Hauptcharakters zu überprüfen. Diese Szene spielt auf reale Adelsverzeichnisse wie den Almanach de Gotha an – ein Werk, das zur damaligen Zeit als maßgebliche Autorität zur Bestätigung von Adelsrängen diente.


🎭 Die Schlüsselszene aus dem Film – Lady Bracknell und das Adelsverzeichnis

Am Höhepunkt des Films wird die Frage nach der Identität und dem sozialen Status des Protagonisten Jack Worthing geklärt. Lady Bracknell, eine standesbewusste und scharfsinnige ältere Dame, hat zunächst gegen die geplante Ehe ihrer Nichte Gwendolen mit Jack Einwände, weil seine Herkunft unklar ist – er wurde als Baby in einer Reisetasche in einem Bahnhof gefunden.

Als jedoch Jacks wahre Identität als Mitglied einer aristokratischen Familie enthüllt wird, ändert sich ihre Haltung schlagartig.

📚 Die Szene im Detail:

  1. Lady Bracknells Skepsis:
    Lady Bracknell stellt Jack scharf zur Rede und verlangt Beweise für seine adlige Herkunft.

  2. Das Adelsverzeichnis:
    Um Jacks Abstammung zu überprüfen, greift sie in der Bibliothek nach einem schweren, ledergebundenen Buch – eine Anspielung auf reale Werke wie den Almanach de Gotha oder Debrett’s Peerage.

  3. Die "Überprüfung":
    Mit gespielter Ernsthaftigkeit blättert sie durch die Seiten und "findet" schließlich einen aristokratischen Eintrag, der Jacks wahre Identität bestätigt – obwohl sie dabei offensichtlich improvisiert, um die Hochzeit zu ermöglichen.

  4. Ihre plötzliche Zustimmung:
    Sobald klar ist, dass Jack zu einer angesehenen Familie gehört, stimmt Lady Bracknell der Ehe mit Gwendolen zu – ein humorvoller Kommentar zu den Oberflächlichkeiten der viktorianischen Gesellschaft, in der der soziale Rang oft mehr zählte als persönliche Qualitäten.


🏰 Was ist der Almanach de Gotha?

Der Almanach de Gotha ist ein historisches Adelsverzeichnis, das erstmals 1763 in der deutschen Stadt Gotha (Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha) veröffentlicht wurde. Es dokumentierte die Genealogien, Titel und Ränge der europäischen Adelshäuser und war lange Zeit die maßgebliche Quelle zur Bestätigung adeliger Abstammung.

📌 Inhalt des Almanach de Gotha:

  1. Souveräne Häuser: Regierende und ehemals regierende Königs- und Fürstenhäuser Europas.
  2. Nicht-souveräne Adelshäuser: Hochadelige Familien mit Titeln wie Herzöge, Fürsten, Grafen oder Barone.
  3. Diplomaten und Eliten: Listen von hohen Beamten, kirchlichen Würdenträgern und diplomatischen Vertretern.

📜 Historische Bedeutung:

  • Prestige: Im Gotha gelistet zu sein, galt als Adelslegitimation – Familien, die nicht erwähnt wurden, galten als nicht "echter Adel".
  • Soziale Kontrolle: Das Werk diente als gesellschaftliche Schranke, um den Adel klar von den Bürgerlichen abzugrenzen.

Der Almanach de Gotha wurde 1944 eingestellt, jedoch 1998 neu aufgelegt und wird bis heute fortgeführt.


🇬🇧 Adelsverzeichnisse im Vereinigten Königreich

In Großbritannien gab (und gibt) es ebenfalls bedeutende Werke zur Dokumentation des Adels:

  1. Debrett’s Peerage & Baronetage

    • Seit 1769 das wichtigste Nachschlagewerk für den britischen Adel.
    • Verzeichnet Herzöge, Markgrafen, Grafen, Viscounts und Barone.
  2. Burke’s Peerage

    • Seit 1826 veröffentlicht, mit detaillierten Informationen zu Genealogien und Wappen.
    • Gilt als bedeutendes Werk für adelige Abstammung und Erbrecht.

Diese Bücher wurden oft bei Eheverhandlungen oder zur Prüfung der Herkunft konsultiert – eine Tatsache, die Lady Bracknells Verhalten im Film karikiert.


🇫🇷 Adelsverzeichnisse in Frankreich

Auch in Frankreich gab es ähnliche Verzeichnisse zur Dokumentation des Adels:

  1. Bottin Mondain

    • Ein exklusives Verzeichnis des französischen Adels und der gehobenen Gesellschaft.
  2. Annuaire de la Noblesse de France

    • Ein offizielles Register des französischen Adels, das im 19. Jahrhundert geführt wurde.
  3. Armorial Général de France

    • Ein Wappenverzeichnis aus dem 17. Jahrhundert, beauftragt von Ludwig XIV.

Wie im Vereinigten Königreich war auch in Frankreich der Eintrag in solchen Registern ein Beweis für die adlige Herkunft und soziale Anerkennung.


🎭 Die Gesellschaftssatire in The Importance of Being Earnest

Oscar Wildes Komödie persifliert die Oberflächlichkeit und Heuchelei der viktorianischen Gesellschaft:

  • Adelige Herkunft ist wichtiger als persönliche Tugenden.
  • Lady Bracknell akzeptiert die Ehe erst, als ein aristokratischer Titel bestätigt wird.
  • Die absurde Fixierung auf Status wird durch Wildes Witz und Ironie entlarvt.

Die Szene mit dem Adelsverzeichnis verdeutlicht auf humorvolle Weise, wie solche Bücher als Machtinstrumente dienten, um soziale Grenzen zu ziehen – und wie schnell diese Regeln gebrochen werden, wenn es opportun ist.


💡 Zusammenfassung:
Die Szene, in der Lady Bracknell im Adelsverzeichnis blättert, ist eine Parodie auf die reale Bedeutung von Werken wie dem Almanach de Gotha oder Debrett’s Peerage. Diese Verzeichnisse dienten in Großbritannien, Frankreich und ganz Europa zur Legitimation des Adels und waren ein Zeichen von sozialer Exklusivität – ein Thema, das Oscar Wilde mit scharfem Witz entlarvt.

BB - Basler Biker - Positivity and constructiveness will prevail.
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